Informationen zum Projekt

GLAS, BETON UND MOBILITÄT

Brutalistische Baukörper aus Beton reihen sich aneinander: Zwei Türme auf schlanken Betonfüßen ragen hervor, darunter befinden sich lange Trakte, Brücken, Parkplätze und Mauern mit Graffiti. Geometrische Formen dominieren die Szenerie: ein großer Platz mit leerem quadratischem Wasserbecken und einer riesigen, würfelförmigen Uhr. Dahinter liegt ein auffälliges Gebäude mit Faltwerkdach aus Stahlbeton. Eine breite Freitreppe ragt ins Innere. Die eingezogene Ebene mit Balkon ruht auf Pfeilern. Unter der Ebene, hinter den Pfeilern: ein Kasten aus Glas.
Seit 1982 hat das Skulpturenmuseum Glaskasten unterhalb des Sitzungstraktes, in der ehemaligen Touristeninformation im Marler Rathaus seinen Standort. Um die Ausstellungsfläche zu vergrößern, wurde 1987 unter dem Vordach eine weitere Glashülle eingezogen. So ist das Museum von allem Seite einsehbar, es gibt kaum weiße Wände, sondern transparente Räume. Das ursprünglich als Ratskeller geplante Untergeschoss wird vom Museum für Wechselausstellungen genutzt. Dieses Langzeitprovisorium hat seinen besonderen Charme - und auch seine Tücken: es gibt kein Foyer, kein Depot und keine Werkräume.
Neben Skulpturen und Objekten sind im Museum viele Installationen ausgestellt, die mit Klang, Licht und Video arbeiten. Der renommierte Marler Medien-Kunst-Preis, der vom Skulpturenmuseum Glaskasten alle zwei Jahre ausgelobt wird, ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt. In diesem Jahr fällt er leider aus. Der Grund ist der anstehende Umzug des Museums: Seit 2015 steht fest, dass der von 1960 - 1967 errichtete, denkmalgeschützte Rathaus-Komplex für 70 Millionen Euro energetisch und barrierefrei saniert und grundlegend umgestaltet wird. Ein Bürgerhaus mit Café sowie Räumen für offene Kinder- und Jugendarbeit, Familienbildung und nachbarschaftliche Aktivitäten soll hier entstehen. Für das Skulpturenmuseum Glaskasten besteht der Plan, in der leerstehenden ehemaligen Hauptschule an der Kampstraße einen neuen, dauerhaften Standort zu finden. Die Schule wird in den kommenden Jahren zum Kulturzentrum "Marschall 66" umgebaut. Durch den Ortswechsel wird sich das Profil des Museums stark verändern, sind sich Direktor Georg Elben, Kurator und Kunstvermittler Stephan Wolters und Volontärin Christa Appel sicher.


KUNST UND AKTION IM GANZEN STADTGEBIET

Doch das Museum zeigt auch ca. 100 Skulpturen im Außenraum. Die modernen und zeitgenössischen Arbeiten im öffentlichen Raum werden in der Übergangszeit sowie im Projekt RuhrKunstUrban im Fokus stehen. Viele der Werke sind im Skulpturenpark am Rathaus und auf dem Gelände der Paracelsus-Klinik Marl aufgestellt. Die Anlage ist durch Ratsbeschluss seit 1990 offizielle Außenstelle des Museums. Auf der Internetseite des Museums befindet sich eine interaktive Karte, die die Skulpturen im öffentlichen Raum mit kurzen Beschreibungen und erläuternden Videos verzeichnet.
Im Projekt RuhrKunstUrban wird das Museum mit der Martin-Luther-King-Gesamtschule und der Kinder- und Jugendeinrichtungen HoT Hülsberg als Dritten Ort zusammenarbeiten. Die Einrichtung macht zusätzlich mit ihrem Jugendbus an wechselnden Standorten ein mobiles Angebot. Somit werden die Standortunabhängigkeit und Mobilität im Stadtgebiet in Marl eine besondere Bedeutung im Projekt einnehmen.

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