2014

Ortsbezogen?
Der Raum als Thema – Dealing with space in sound and video

Gibt es zwischen Klangkunst und Videokunst genügend inhaltliche, formale und technische Gemeinsamkeiten, um die zu beiden Genres vom Skulpturenmuseum Glaskasten Marl traditionsreich ausgerichteten Wettbewerbe zusammen in einer gemeinsamen Ausstellung zu zeigen? Diese Frage will die aktuelle Präsentation von 38 Arbeiten beantworten, die aus rund 550 Einsendungen von zwei Jurys ausgewählt wurden.

Seit 1984 existiert der im Skulpturenmuseum Glaskasten Marl beheimatete Videokunst-Preis, seit 2002 gibt es den Klangkunst-Preis, der im kommenden Jahr zum European Soundart Award weiter-entwickelt wird – und zum ersten Mal werden beide Medienkunst-Sparten in diesem Jahr zusammen gezeigt. Beide auch erstmals international ausgeschriebenen Wettbewerbe hatten deswegen die gleiche inhaltliche Vorgabe: Die eingereichten Arbeiten sollten sich thematisch, formal oder in ihrer Präsentation auf den (musealen) Raum beziehen. Der Bezug zum Thema »Raum« ist dabei doppelt gegeben: Zum einen durch das Museum als Ort im Gegensatz zu einem Festival, zum anderen durch seine Ausrichtung als Skulpturenmuseum, eine Gattung, bei der die Rundumansichtigkeit oder Multifokalität entscheidend ist. Das Skulpturenmuseum Glaskasten marl ist dafür nicht nur durch seine Ausstellungsgeschichte, sondern auch durch die Unterbringung in der modernistischen Architektur im 1966 bezogenen Rathaus für diese Aufgabe besonders geeignet.
Die ausgewählten Arbeiten, Video- wie Klangkunst gleichermaßen, beziehen sich thematisch, formal oder in ihrer Präsentation auf den (musealen) Raum, das heißt, ihr idealer Präsentationsort ist nicht der Kinoraum, die ortsungebundene Monitorpräsentation oder der Konzertsaal beziehungsweise die Hörstation mit Kopfhörer. Formal bedeutet Raumbezug die Vermeidung linearer Erzählstrukturen und eine andere zeitliche Struktur, etwa durch einen Loop, der für die Ausstellungssituation im Museum ideal geeignet ist. Daher sind klassische Einkanal-Videos auf dem Monitor oder als Projektion weiterhin denkbar, aber es geht vor allem um Mehrkanal-Installationen bis hin zur mit zusätzlichen Materialien erweiterten Installation.

Letzteres bedeutet, dass nicht das Kino oder der Konzertsaal ihr idealer Präsentationsort ist, sondern das Museum, in dem der Besucher frei durch die Ausstellung schlendern kann, intuitiv einen Überblick gewinnt, um sich dann ein Kunstwerk auszusuchen und konzentriert anzuschauen. Es gibt keinen vorgegebenen linearen Ablauf, sondern der Besucher kann wie sein eigener Regisseur seinen Rundgang bestimmen. Allerdings dürfen die Werke dafür nicht zu lang sein – Video- und Klangkunst sind zeitbezogene Medien!